Moderation. Altstadt für Alle!

Moderation. "Mut zur Stadt" am 6. Oktober 2017

Altstadt für alle

Ein Ideenlabor, ein Think Tank für eine urbane Zukunft. Mut zur Stadt.

Am 7. Oktober lud die Initiative "Mut zur Stadt" interessierte Hamburger ein, gemeinsam mit Stadtplanern und Experten im Rahmen einer Ideenwerkstatt Projekte für eine lebenswerte, nachhaltige Innenstadtentwicklung zu definieren.

Auftakt für dieses Aktions-Wochenende war die Podiumsdiskussion “Altstadt für Alle!” am Freitag, 6. Oktober 2017, im Reimarus-Saal der Patriotischen Gesellschaft von 1765. Rund 200 Hamburger hatten sich im Vorfeld angemeldet, um das Thema zu diskutieren.
Ich hatte die Riesenfreude, den Abend zu moderieren und durfte meinungsstarke Gäste auf dem Podium begrüßen. Hier folgt eine kleine Zusammenfassung eines spannenden Wochenendes.

 

Wer war da?

 

Altstadt für Alle

Im Vorfeld der Auftakt-Veranstaltung fand am Freitag Nachmittag ein Erkundungsgang mit Birgitte Svarre durch die Innenstadt statt, um Potenzorte zu definieren und den Blick zu schärfen. Im Bild ganz links: Ingrid Spengler, Mitte: Architekt und Stadtplaner Rolf Kellner (Büro üNN), außen rechts: Birgitte Svarre

 

Worum ging's?

Fünf Gäste, eine Meinung: Die Innenstadt Hamburgs hat Potential. Und es herrscht Handlungsbedarf. Dass dieses so ist, legte Birgitte Svarre schon zuvor in einem Rundgang durch die City und in ihrem Impuls-Vortrag zu Beginn der Podiumsdikussion dar. Und holte ihre Diskussionspartner damit ab.

"Wir brauchen Realexperimente", sagte Dieter Läpple und verwies auf New York und den Time Square. "Besetzt die Ost-West-Straße und zeigt, dass es geht." Ingrid Spengler argumentierte für moderne Hybridlösungen von Wohnen, Leben und Arbeiten, um die Innenstadt zu beleben. Gesa Matthes erklärte: "Das Fahrrad ist das moderne Verkehrsmittel des Städters. Wir machen es dem Verkehr oft zu leicht." Marcus Menzl wies auf die hohe Signifikanz von Netzwerkarbeit hin, um Insellösungen zu vermeiden und ein Quartiersgefühl unter den Bewohnern zu fördern. Doch dafür gilt es eben, Denkblockaden zu lösen. Ein hartes Stück Arbeit, ein Prozeß, der auch in Kopenhagen, einer der europäischen Vorzeigestädte in Sachen Fahrrad- und Fußgängerfreundlichkeit, über 50 Jahre in Anspruch nahm. Doch Geschichte wird gemacht. Manchmal muss man eben zäh sein.

 

Die Ideenwerkstatt am 7. Oktober. Mut zu Innovationen

 

1) Projekt Wohnen

Fakt ist: Die Hamburger Altstadt hat zu wenig Einwohner, um auch nach Ladenschluß belebt zu sein. Heute wohnen gerade einmal 2.200 Menschen dort. Im Katharinenquartier sind inzwischen neue Wohnungen im eher teuren Segment entstanden. Um diesen Ansatz für eine Wiederbevölkerung fortzuführen und gleichzeitig die soziale Vielfalt zu erhöhen und kleinteiligen Einzelhandel sowie Gewerbe anzusiedeln,  bietet sich eine Umgestaltung des Parkhauses Gröningerstraße an.

Altstadt für Alle

Wohnen statt parken. Innovation mit Ansage!

 

Die Idee: Eine Raum-Umnutzung in Verbindung mit Hybridlösungen und die Erschaffung eines Wohn- und Gewerbehofs. Wohnen statt parken: Klarer kann man die urbane Zukunft nicht formulieren.

 

2) Der Ost-West Boulevard

Sechsspurig durchfräst die B4 die Innenstadt. Der Lärmpegel beträgt über 75 db (nachts über 70 db). Fuß- und fahrradfreundliche Querungen gibt es nicht. An den Kreuzungen weitet sich die Bundestraße durch eine Vielzahl von Abbiegespuren noch erheblich aus. Wie geht man mit dieser Trennung um? Die Lösung: Einstieg in eine nachhaltige Mobilität durch eine schrittweise Verkehrsoptimierung (u.a. Verlagerung vom Pkw) auf der Strecke zwischen Deichtorplatz und Millerntor. Parallel werden Fahrrad-Highways und eine zusätzliche Buslinie eingerichtet. Und dann wurde noch ein brisantes Eisen diskutiert: Die Citymaut. Politisches No Go, immer wieder Thema.

3.) Der Kulturboulevard

Das Gebiet der ehemaligen Wallanlagen vom Deichtor bis zum Ferdinandstor ist eigentlich eine Perlenkette von Kultureinrichtungen – vom Oberhafenquartier bis zur Kunsthalle, perspektivisch sogar bis zum Stintfang an der Elbe. Merkt nur keiner, ob des Verkehrs. Das lässt sich ändern. Mit der Realisierung besserer fußläufiger Verbindungen südlich und nördlich des Hamburger Hauptbahnhofs würden das Museum für Kunst und Gewerbe sowie die Zentralbibliothek direkt angebunden. Als erster Ausbauschritt könnte ein breiter Fuß- und Fahrradboulevard von den Deichtorhallen bis zur Kunsthalle entstehen. Dafür müssten lediglich die heute für Parken und Rechtsabbiegen genutzten Spuren aufgehoben werden. Mit der Öffnung des Nordstegs am Hauptbahnhof für die Öffentlichkeit und der Umwidmung von Straßenspuren auf der Erst-Merck-, der Steintor- sowie der Altmann-Brücke ließe sich die östliche Innenstadt mit der westlichen verbinden, und auch das Museum für Kunst und Gewerbe, die Öffentlichen Bücherhallen am Hühnerposten, das Schauspielhaus und das Ohnsorg-Theater direkt in den Raum des Kulturboulevards miteinbeziehen.

 

4) Der Katharinenweg

Der stadträumliche Zusammenhang von Alster und Elbe ist nicht wirklich erfahrbar. Auch der historische Kern der Besiedlung Hamburgs unterhalb der Hammaburg an der Alster und dem ersten Hafen ist kaum wahrnehmbar. Zerstörungen durch den Straßenbau nach dem 2. Weltkrieg verbunden mit mangelndem stadträumlichem Gestaltungsbewusstsein haben diesen Kern der Stadt quasi unsichtbar gemacht. Dabei sind viele alte Straßenzüge und Grundrisse noch vorhanden, auch ein Gutteil der historischen Fleete ist noch intakt. Kurz: Das Quartier zwischen Alsterarkaden und St. Katharinen bietet den idealen Raum für eine Wiederbelebung der Altstadt und mit seiner Verlängerung nach Süden über die Kibbelsteg-Brücke einen direkten und barrierefreien Fußweg in die Hafencity.

 
5) Der Rathausmarkt

Sein soziales und kulturelles Potenzial schöpft der Rathausmarkt bislang nicht wirklich aus. Belebt ist er nur zu Zeiten von Großevents, ansonsten kommt er recht lieblos daher. Dabei treffen hier mit Rathaus, Bürgerschaft, Bucerius-Kunstforum, der Rathauspassage, der Handelskammer sowie den Verkehrsknotenpunkten Jungfernstieg und Rathausmarkt eine Fülle von Funktionen zusammen. Wie rückt man das wieder in den Fokus? Durch eine Aktivierung und Vernetzung von potenziellen und bereits aktiven Interessengruppen, die Öffnung und Transparenz für den Prozess der Um- und Neugestaltung, Entwicklung von Ideen und kreativen Vorschlägen.

Beispiele dafür:

  • Sichtbarmachung der Rathauspassage
  • Besseres und anderes Veranstaltungsprogramm
  • Bessere Sitzgelegenheiten
  • Speakers Corner
  • Verlegung der Busse (Sonnenseite nutzbar machen)
  • Politische Nutzung, Öffentliche Debatten, evtl. auch mit der Bürgerschaft

 

→ Neugierig? Mehr Informationen zu "Mut zur Stadt" und "Altstadt für Alle!" gibt's hier